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Klartext - von Christa Blanke

Liebe Freundinnen und Freunde, manches freut mich, manches ärgert mich. Ich möchte auf dieser Seite über Dinge schreiben, die auf meinem Schreibtisch landen, denen ich begegne, wenn ich bei den Tieren bin. Manchmal sind es Gedankensplitter, manchmal sind es längere Ausführungen. Wenn ich damit Anstösse liefern kann, würde mich das sehr freuen.


Nun will der Lenz uns grüßen

20.03.2009
Von Mittag weht es lau, aus allen Ecken sprießen die Blümlein rot und blau…

So hat meine Mutter mit mir und meinen Schwestern gesungen. Auswendig. Dreistimmig. Und so ist es heute noch in den ländlichen Gegenden Deutschlands. Der Bach springt munter den Berg hinab, endlich ist er Schnee und Eis losgeworden. Die Kätzchen wehen im warmen Frühlingswind. Die weichen, weißen Samtbällchen. Und die pelzigen Gelbfinger. Die Schneeglöckchen läuten hin und her. Blaue und gelbe Krokusse sind über Nacht aus der Erde gekrochen. Und die grünen Blätter der Osterglocken haben es auch an die Sonne geschafft. Über den entfernten Bergen liegt ein leichter Schleier. Die Vögel singen. Und es riecht so gut. Es riecht nach Frühling.
 
Im Lauf dieses ersten Sonnentages kommen sie dann mit ihrem Kriegsgerät. Die Agrarier fahren Gülle. Und aus ist es mit der Frühlingsseligkeit. Nicht mal einen Tag haben sie dem Frühling gegönnt, die privilegierten Bauern. Privilegiert heißt, daß sie eine Lizenz zum Quälen, zum Vergiften und zum "Entsorgen" haben. Heute tritt die Lizenz zum Entsorgen in Kraft. Es stinkt nach Ammoniak. Kilometerweit. Eine geschlossene Geruchsdecke liegt über der Landschaft und mordet den Frühlingszauber. Die braune stinkende Brühe ergießt sich über das erste Grün, über die winzigen Blümchen in den Wiesen und natürlich auch in den kleinen kristallenen Bach. Einen langen Winter  wurden die Kühe und Schweine in engen Ställen eingepfercht. Kühe und Schweine pinkeln. Was dabei gesammelt wurde in riesigen Güllebehältern kommt nun zum Einsatz. So wird aus der Qual der Tiere nun der Mord am Frühling. Angeblich ist das Dünger. Tatsächlich ist es Entsorgung.
 
Für all dies gibt es Vorschriften. Wie viele Tiere in einem Stall stehen dürfen. Wie hoch die Schadstoffkonzentration der Gülle sein darf, damit sie "ausgebracht" werden kann. Wann das frühestens gemacht werden darf und wieviel Liter pro Quadratmeter erlaubt sind. Aber das wird natürlich nicht kontrolliert. Von wem auch? Die Behörden haben anderes zu tun. Die Polizei schreibt ein falsch geparktes Auto auf. Das Ordnungsamt bearbeitet Lärmpegel. Die Amtsveterinäre prüfen die Hygiene von Dönerbuden. Und das Umweltschutzamt sorgt dafür, daß ja keine menschlichen Fäkalien ungereinigt, ungeprüft, ungeklärt  in die "Natur" gelangen. Da bleibt wirklich keine Zeit, sich um die Fäkalien von Kuh und Schwein zu kümmern…Womöglich gibt es ja sogar noch pro Liter Gülle ein kleines Zuschußgeschenk von der EU für die armen Landwirte…
 
Die linden Lüfte sind erwacht, sie säuseln und weben Tag und Nacht…
Das hat meine Großmutter auswendig gekonnt und jeden Frühling wieder aufgesagt. Die Worte sind von Ludwig Uhland und Franz Schubert hat eine wunderschöne  Melodie dazu gemacht. Das war einmal. Heute riechen die linden Lüfte nach Ammoniak und dem Diesel der Traktoren. Ich kann das Gedicht auch auswendig. Dafür hat meine Großmutter gesorgt. Aber ich sag's nicht. Sonst müßte ich nämlich weinen. Wegen der Blümlein rot und blau, wegen Bach und Weidenkätzchen…


Ach, du arme Kuh…

27.03.2008
Die Deutsche Presseagentur verbreitet eine Nachricht aus der Landwirtschaft:
Die deutschen Agrarexporte sind 2007 um 14,5 % auf 43,4 Milliarden Euro gestiegen. Die ist ein neuer Spitzenwert, so die Centrale Marketing Gesellschaft der Agrarier. Besonders groß seien die Zuwächse beim Export von Milch und Käse.
 
Ach, du arme Kuh…
- vom ersten Lebensjahr bis zum Tod ununterbrochen schwanger…
- durchschnittliche Lebenserwartung fünf bis sieben Jahre….
- lebst mit entzündetem Euter unter ständigen Schmerzen
- humpelst auf kranken Klauen und kannst kaum aufstehen
- kriegst schlecht Luft und röchelst ständig
- hast Parasiten, Mykosen und Rückenprobleme
und wirst am Ende brutal verladen und im Schlachthof umgebracht.
 
Aber die Exporte, die mit Deiner Qual erwirtschaftet werden, die stimmen.
Und die Landwirte freuen sich über so gute Nachrichten aus der Wirtschaftswelt und quälen Dich weiter…


Die Tierquäler der Nation

04.01.2008
Zur "Aufsteigerbranche des Jahres 2007" hat Bauernpräsident Gert Sonnleitner die deutschen Agrarunternehmer erklärt.
Deutschland ist der drittgrößte Agrarproduzent der EU mit 13% Anteil an der Gesamterzeugung.  Die deutschen Agrarunternehmer rangieren bei Milch und Schweinefleisch auf Platz 1 und bei Rind- und Kalbfleisch auf Platz 2 im
EU – Vergleich. Dieser Marktanteil wurde bei Milch gehalten und bei Schweine- und Geflügelfleisch weiter ausgebaut.
 
Wenn wir die Lebens- und Transportbedingungen der Schweine, Kühe, Kälber und Bullen, der Hühner und Hähne, der Puten, Enten und Gänse betrachten, dann ist unübersehbar, wer den Preis für diesen "Marktanteil" bezahlt.
 
Milch – das heißt jämmerlich dürre Kühe, die auf kaputten Klauen in den Melkstand humpeln und nach wenigen "produktiven" Jahren in den Tod transportiert werden.
 
Schweinefleisch – das heißt 20 000 Schweine werden an einem einzigen Tag in einem einzigen Schlachthof getötet.
 
Rindfleisch – das heißt Bullenmast in lebenslanger Anbindehaltung, bis sie mit Schlägen auf den Transporter getrieben werden, der zum Schlachthof fährt.
 
Kalbfleisch – das heißt kleine Kinder werden sofort nach der Geburt ihren Müttern entrissen, "fett gemacht" und nach unbeschreiblichem Transport getötet.
 
Geflügelfleisch – das heißt langsam zu Tode gequälte Vögel, die sich kaum auf den Beinen halten können und in drangvoll aggressiver Enge einige traurige Monate "leben", bevor sie mit dem Kopf nach unten aufgehängt am Fließband getötet werden.
 
Das sind die "Marktanteile", die deutsche Agrarunternehmer reich machen.
Das sind die "Marktanteile", mit denen riesige Traktoren und die neusten Maschinen finanziert werden.
Das sind aber auch die "Marktanteile", die deutsche Agrarunternehmer zu den grausamsten Tierquälern der Nation machen. Kein anderer Berufsstand quält so völlig gewissenlos jeden Tag fast unkontrolliert und vor allem straffrei so viele Millionen Tiere.
 
Die Deutsche Landwirtschaftliche Gesellschaft befragte 2007 eine repräsentative Anzahl "zukunftsorientierter Landwirte". Diese bewerten ihre eigene Geschäftsgrundlage als "stabil positiv".
 
Die armen, armen Tiere. Ihr Leiden scheint endlos weiter zu gehen, "stabil positiv"…


Je blutiger, desto interessanter

27.07.2007:
In den letzten zwei Wochen habe ich 16 E-mails bekommen, die als Anhang Fotos hatten, aus denen das Blut tropfte. Blut von schwer verletzten Pferden, Rindern, Schafen. Die Fotos wurden von einem jungen serbischen Fotografen während des  Tiermarktes in Ruma aufgenommen – im Jahr 2004. Beim Todeskampf von Charlotte, einem braunen Pferd, war ich dabei und konnte nichts für sie tun. Ich habe Charlotte damals versprochen: Das wird so nicht mehr vorkommen. Und ich habe mein Versprechen gehalten.
Animals' Angels hat mittlerweile sehr viel Geld ausgegeben, damit sich die Verhältnisse in Ruma bessern sollten. Und sie haben sich gebessert. Solche Bilder kann dort 2007 niemand mehr aufnehmen.
Wozu also das Verschicken solch blutiger Fotos aus der Vergangenheit? Müssen sich Tierschützer wirklich wichtig machen, indem sie Tierleid als Mail an andere Tierschützer verschicken nach dem Motto: wer hat die blutigsten, also die interessantesten Aufnahmen?
Das flächendeckende Versenden solcher Fotos verletzt die Würde der Tiere. Ich glaube nicht, dass Charlotte damit einverstanden wäre, in ihrem Elend nachträglich auch noch "rundgemailt" zu werden…


In Aachen treffen sich die weltbesten Reiter

2.7.2007:
In dieser Woche findet das größte und wichtigste Reit-Turnier der Welt in Aachen statt. Die weltbesten Reiter kämpfen um ein Gesamtpreisgeld von (angeblich) 1,552 Mill. Euro. Mal angenommen die Pferde in diesem Turnier hätten auch das Recht auf einen Anteil dieser Preisgelder. Mal angenommen, sie würden diesen ihren Anteil uns spenden – damit wir länger, öfter, kompetenter bei den andern Pferden sein könnten. Bei denen, die unterwegs sind in die Schlachthäuser Europas…
Ein schöner Traum. Animals' Angels hat sich immer wieder bemüht in einer winzigen Ecke dieses großen "hippologischen Ereignisses" den Pferden eine Stimme zu geben, die zu Hunderttausenden elend zugrunde gehen. Vergeblich.  Die Organisatoren und die Reiterelite will davon nichts hören.
Wirklich schade, dass die Hauptpersonen dieser Sportveranstaltung, die Pferde, dazu nicht gefragt werden...