18.06.2009 | Transitverbot für EU- Tiertransporte schützt Mensch und Tier
Entscheidung im Ständerat
Transitverbot für EU- Tiertransporte schützt Mensch und Tier
Stiftung Animals’ Angels fordert endgültiges Verbot
Zürich 18.6.2009. Der Ständerrat verhandelt heute die Standesinitiative des Kantons Freiburg „Keine Eu-Schlachttransporte durch die Schweiz“. Nachdem die Grosse Kammer und mehrere Standesinitiativen (Zürich, Bern, St. Gallen, Basel-Stadt, Basel Landschaft) sich bereits gegen den Transport von lebenden Tieren zu Schlachtzwecken durch die Schweiz ausgesprochen haben, ...
wird jetzt erwartet, dass auch der Ständerrat dem Drängen der EU einen Riegel vorschiebt. „In den EU-Staaten werden jährlich 360 Millionen Tiere, Geflügel nicht mitgerechnet, über weite Strecken transportiert. Öffnet die Schweiz die Grenzen, ginge ein grosser Teil dieser Transporte über die Schweizer Haupttransitstrecken“, erklärt York Ditfurth, Geschäftsführer der Stiftung Animals’ Angels Schweiz. „Auf die Schweizer Landwirtschaft kämen enorme Risiken für den Tierbestand zu durch Seuchen und Krankheiten“, ergänzt Ditfurth.
Animals’ Angels führte im Jahr 2007 knapp 1.400 Stichprobenkontrollen von Langstreckentransporten durch. Dabei wurden 1.700 Verstösse gegen geltendes Recht registriert. 2008 waren es bei fast 1.200 Kontrollen rund 2.000 Verstösse. „Tiertransporte sind Massengeschäft. Es wird gespart und optimiert wo es geht, meist zu Lasten der Tiere, aber auch zu Lasten der Fahrer“, so Ditfurth. Lenkzeitüberschreitung, überschrittene Ladedichten, kaputte Tränkesyteme, technische Mängel an den Fahrzeugen und transportunfähige Tiere sind die häufigsten Verstösse. Bei deutlich über 90 % aller Transporte stellt Animals’ Angels Mängel fest. „Auf die Schweiz rollt eine Lawine von Verstössen zu, die die EU-Staaten bis heute nicht in den Griff bekommen“, so Ditfurth. Es fehlt an Entlade- und Versorgungseinrichtungen entlang der Transportstrecken. Die Polizei ist nicht für derartige Tierkontrollen ausgebildet. „Die EU-Transportverordnung ist ein Papiertiger, ihre Durchsetzung in den Mitgliedsstaaten ist faktisch nicht vorgesehen“, kritisiert Ditfurth.
Die Schweiz ist als Transitland längst an ihren Grenzen angekommen. Täglich werden stundenlange Staus entlang der Hauptstrecken gemeldet. Für Tiertransporte sind Staus im Winter wie Sommer verheerend. „Wir haben im Sommer in den Transportern bei Stau Temperaturen von 50 °C gemessen. Die Tiere dehydrieren (trocknen aus) und ersticken. Schweine können nicht schwitzen, sie „verkochen“ von innen und sterben qualvoll“, berichtet Ditfurth. Dem Argument, dass sich die Transportzeiten bei offenen Grenzen verkürzen würden, widerspricht Animals’ Angels. „Ob die Zeiten sich verkürzen, ist bei der aktuellen Schweizer Verkehrslage `Russisch Roulette´ für die Tiere. Realistisch ist, dass noch mehr Transporte auf den Strassen rollen werden als heute, weil kürzere Strecken mehr Profit für die Transporteure versprechen. Mehr Transporte bedeuten noch mehr Staus, Unfälle und Verstösse und vor allem Tierleid.“
Durch Transittourismus verbucht zumindest die Schweizer Wirtschaft Umsätze in der Gastronomie und Hotellerie. Bei EU-Transittransporten hat sie mit hohen Risiken und enormen Kosten zu rechnen. Der Tierbestand der Schweizer Landwirtschaft wird durch Seuchen und Krankheiten gefährdet. Es müssten Versorgungs- und Entladestationen eingerichtet werden. Die Ausbildung der Polizei und Veterinäre müsste sicher gestellt werden. „Leidtragende sind die Tiere und die Verbraucher. Zum Vorteil der Spediteure und des Fleischhandels werden Kosten und Risiken auf die Allgemeinheit und Transportqualen auf die Tiere abgewälzt.
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